Benutzer:Victor Eremita

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ich verlasse die WP, zunächst temporär, für eine längere Zeit. Neben der WP externen Gründen, die nicht hierher gehören, gibt es zwei WP-interne Gründe, weshalb ich dies tue:

  1. Ich sehe die Verhältnisse in der WP und ihre Perspektive als Enzyklopädie zunehmend pessimistisch.
  2. Mir bereitet gegenwärtig (aufgrund dieser Verhältnisse und mit dieser Perspektive) die Arbeit in der WP keine Freude mehr.

Mein Rückzug hat nichts mit dem Wikipedia:WikiProjekt Philosophie zu tun, sondern mit der WP insgesamt. Die Zusammenarbeit im WikiProjekt Philosophie habe ich fast ausnahmslos als sehr konstruktiv empfunden. Da ich dort auch einige Arbeit investiert und somit Verantwortung übernommen habe, schwingt bei mir auch das leise Gefühl mit, diese sehr gute Zusammenarbeit im Stich zu lassen. Mit mehr Zeit würde ich vielleicht wegen des Philosophie-Projektes trotz der beiden oben genannten Gründe im begrenzten Umfang weiterarbeiten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorrede

Die Wikipedia leidet unter gravierenden Schwierigkeiten. Ich halte folgende Aspekte (die eng zusammengehören) für gravierend.

  1. Benutzerstruktur
  2. Struktur der und Grundlage der Mitarbeit in der WP
  3. Einstellungen (der Benutzer)

Ich bin zu der Auffassung gelangt, dass in dieser Verfassung des Projektes die WP nie eine Enzyklopädie werden kann. Gegenwärtig habe ich nicht die Zeit und Kraft an einer Änderung dieser Verfassung mitzuarbeiten. Ich halte es auch für fraglich, ob diese Änderungen überhaupt noch möglich sind. Sollten sie nicht möglich sein, muss ich jegliche weitere Mitarbeit für bloße Zeitverschwendung halten. Dann wäre auch die Option 'Augen zu & nur Artikel schreiben' sinnlos. Eine endgültige Entscheidung werde ich mit einigem Abstand treffen.

Ich war mal sehr enthusiastisch was die WP angeht. Noch immer halte ich das Potential der Idee für sehr groß. Das Potential der real existierenden WP Realität schätze ich mittlerweile anders ein. Die Stimmen werden lauter (oder ich hatte sie in den letzten Jahren - ich bin länger 'dabei' als angemeldet - nicht so deutlich wahrgenommen), dass Wikipedia ein Informationsportal sein solle. Auch bestimmen Benutzer, die überwiegend in Löschdiskussionen und MBs ideologische Feldzüge gegen vermeintliche Ausgrenzung von Artikeltypen (bspweise über fiktive Entitäten) oder Löschwahn zutage treten, das Tagesgeschehen. Zudem finde ich die oftmals zu beobachtende Einstellung und Toleranz dieser Einstellung, dass andere die qualitativ minderwertigen Beiträge aufräumen können, extrem irritierend. So wird das m. E. nichts mit der Enzyklopädie.

Wenn Du Interesse am Projekt Wikipedia hast, steht es Dir frei, meine folgenden Gedanken zu lesen. Wenn nicht, möchte ich die Gelegenheit nutzen, Dich auf den Artikel Ölfördermaximum (Peak-Oil) zu verweisen; denn dieser weniger bekannte Sachverhalt und seine Folgen betreffen Dich, auch wenn er Dich zunächst nicht interessiert oder er Dir zunächst nicht sehr wichtig erscheint.

[Bearbeiten] Probleme

[Bearbeiten] Das Benutzerstrukturproblem

Es ist geradezu trivial: Ein Mitarbeiter der WP muss zwei Bedingungen erfüllen, damit seine Mitarbeit für die WP Sinn hat:

  • Er muss dazu fähig sein, verbessernde Beiträge zu leisten.
  • Er muss dazu willens sein, verbessernde Beiträge zu leisten.

Wir haben viele (angemeldete und unangemeldete) Benutzer, die mehr Schaden als Nutzen bzw. die in Bereichen arbeiten, in denen sie besser nicht arbeiten sollten. Das geringere Problem sind dabei die, die entweder absichtlich (Vandalen) oder offensichtlich Schaden zufügen. Problematischer sind Fälle, in denen Benutzer nicht erkennen (wollen), dass sie mehr Arbeit produzieren als Nutzen bringen, unsauber arbeiten etc. An anderen Stellen ist viel über das Wiki-Prinzip und das Enzyklopädie-Prinzip gesagt worden. Dort war unter anderem davon die Rede, dass die Qualität der Beiträge in dem Maße sinkt, in dem die Benutzerstruktur sich dem Bevölkerungsdurchschnitt angleicht. Ich kenne keine Zahlen hierüber. Worauf es mir hier ankommt, ist ein einfacher Gedanke, der auch ohne Meinungen über die durchschnittliche Kompetenz auskommt.

Kurz gesagt: Ein derartig zugängliches Projekt erhält (und verdient?) diejenigen Benutzer, die es anzieht und nicht wieder von sich stößt. Das Benutzerstrukturproblem scheint mir aus den beiden anderen genannten Problemen, Ist-Zustand der Struktur der WP und Einstellung der Benutzer zu resultieren und nur durch deren Lösung lösbar.

In Bezug auf für die WP attraktive Benutzer lässt sich die Situation m.E. so zusammenfassen: Für die WP attraktive, kompetente Benutzer werden nicht angezogen bzw. abgestoßen, wenn

  • die Arbeitsgrundlage unklar ist.
  • die Regeln nicht durchgesetzt werden.
  • die Zahl der Fan-Lemmata und Beiträge zunimmt.
  • die Qualität sinkt.
  • die Struktur der WP zu kompliziert ist.
  • das Auftreten anderer Benutzer dem im Wege steht.

[Bearbeiten] Ist-Zustand der Struktur

In Bezug auf den Ist-Zustand der Struktur der WP nenne ich nur den weitaus wichtigsten problematischen Aspekt der Grundlage der Mitarbeit:

  • Die WP bedarf einer (über die vier Prinzipien der Wikipedia:Richtlinien hinausgehenden und verbindlichen) Verfassung, in der die allerwichtigsten Prinzipien festgelegt sind, die die Grundlage aller Arbeit darstellen. Seit einiger Zeit gibt es im Wikipedia-Namensraum dieses Manifest, das bereits bestehende Richtlinien und Konventionen zusammenfasst.

[Bearbeiten] Problematische Einstellungen

Letztlich steht und fällt die WP mit den Einstellungen ihrer Benutzer, ihrer Mitarbeiter. Viele Fälle dieser Einstellungen lassen sich etwa folgendermaßen beschreiben: Viele Benutzer wollen zu viel zugleich. Zudem sind insbesondere viele Aktivitäten, die von pauschalen guten, teilweise 'politisch korrekten' Absichten ausgehen, im Resultat schlecht für die WP. Dies betrifft auch viele Leute, die selbst sehr gute Beiträge und Artikel liefern. Besonders deutlich stehen diese Einstellungen im Hintergrund einiger Löschdiskussionen, der so genannten Qualitätssicherung und Beiträgen in MBs. Die problematischsten langfristigen Folgen sind diese:

  • Die – für die WP – falschen Mitarbeiter werden angezogen.
  • Erwünschte Mitarbeiter werden abgeschreckt.
  • Die durchschnittliche Qualität der Artikel wird langfristig sinken.
  • Die Qualität wichtiger Artikel steigt (oft) nicht entsprechend ihrer Wichtigkeit.

Diese Bemerkungen sollen nicht missverstanden werden; ich möchte niemandem eine bestimmte Einstellung vorschreiben oder verbieten. Dies ist nur eine schlichte Aufforderung an jeden (einschließlich mich) zu überprüfen, wohin auf einer bestimmten Einstellung basierendes Handeln führt.

[Bearbeiten] gegenüber Benutzern

Oft wird argumentiert, dass auf andere Benutzer, insbesondere auf Newbies Rücksicht genommen werden soll, wenn qualitativ schlechte Artikel (oder Beiträge) eingestellt werden. Die Leute würden frustriert, wenn „ihre Arbeit gelöscht würde“, neue Mitarbeiter würden vergrault. Gegen die Gedanken „Sei nett zu anderen, achte ihre Arbeit“ und „Dies gilt insbesondere in Bezug auf Newbies“ ist auch im Allgemeinen nichts einzuwenden. In den Fällen aber, in denen Benutzer Artikel einstellen, die darauf schließen lassen, dass der Benutzer mindestens nicht willens oder nicht fähig ist verbessernde Beiträge zu liefern, frage ich mich erstens, ob die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt und zweitens, was die Folgen für das Projekt „Erstellung einer Enzyklopädie“ sind. Wer in dem Sinne nicht willens erscheint, dass er Vandalismus produziert oder die Mitarbeit erheblich stört, der wird gesperrt. Liegt eine Störung durch Benutzer aufgrund unzumutbarer Beiträge oder Artikel vor, wird von vielen Seiten hingegen auf den Projektcharakter verwiesen: 'Andere könnten ja an dem gelieferten Brocken weiterarbeiten'. Die Folgen sind m. E. verheerend.

[Bearbeiten] gegenüber Beiträgen und Inhalten

Da wir unreflektiert in die WP gekippte Beiträge nicht konsequenter zurückweisen, haben wir uns mindestens folgende Probleme geschaffen:

  • Eine große Anzahl an sehr schlechten Beiträgen bzw. Artikeln.
  • Die entsprechende Arbeit aufgrund dieser schlechten Beiträge bzw. Artikel.
  • Eine größere Anzahl an (angemeldeten und nicht-angemeldeten) Benutzern, die weiterhin mangelhafte Beiträge liefern.
  • Eine immer undurchsichtigere Struktur an Ebenen und vermeintlichen Regeln auf LK, QS und neuerdings 'Artikelrampe'. [1]
  • Eine weithin vorherrschende Einstellung, die propagiert, eine Artikelrettung sei Ausdruck einer Tugend und gleichzeitig Pflicht eines Wikipedianers; die Löschung eines Artikels (aus Qualitätsgründen) sei ein Verbrechen; relevant sei, was ein Leser erwartet; WP sei, was die Benutzer wollen; die in meinen Augen sinnfreie „Initiative gegen voreiliges Löschen“ (Wer ist eigentlich für voreiliges Löschen?) ...

Kurzum: Wir setzen die falschen Signale. Anstatt konsequent qualitativ hochwertige Beiträge einzufordern, ermutigen wir die Verfasser nicht akzeptabler Artikel auch noch. Dass dies so ist, zeigt sich zum einen an der exorbitanten Zahl schlechter Ersteinstellungen. Zum anderen demonstrieren auch die immer wieder auftretenden Kommentare von Ersteinstellern, in denen diese zugeben, dass sie selbst von dem Thema fast keine Ahnung haben und die Erwartung äußern, dass kundige Wikipedianer sich um ihren ihren Artikel bemühen, ihn erweitern und verbessern sollen. (sogar Benutzer, die 2 Jahre dabei sind).

Darüber hinaus: Gerade weil die WP mittlerweile zu einem häufig herangezogenen Referenzwerk geworden ist ([1]), haben ihre Mitarbeiter eine Verantwortung, der wir in unserer Praxis nur ungenügend nachkommen.

Mal ganz naiv gefragt: Warum beseitigen wir die Spuren von Vandalen und Spammern? Weil sie die Inhalte (um die es uns doch geht) zerstören? In Fällen von Löschungen oder Sinnentstellungen mögen Inhalte unmittelbar betroffen sein. In vielen Fällen ist dies aber nicht der Fall. Wenn jemand – ohne etwas zu löschen – am Ende eines Artikels bspw. „Peter ist doof“ schreibt, dann hat er unmittelbar keinen Inhalt beschädigt. Und doch nennen wir derartige Beiträge „Vandalismus“ und machen sie rückgängig. Warum? Meine Antwort: Weil sie die Wikipedia, die Enzyklopädie auf andere Weise beschädigen. Weil sie ihr Ansehen beschädigen. Weil wir der Aufassung sind, dass – wenn derartige Beiträge die Inhalte auch nicht sofort oder unmittelbar beschädigen – sie doch dem Projekt, der Enzyklopädie und letztlich dem einzelnen Artikel Schaden zufügen. In noch viel größerem Maße als als Vandalismus kenntliche Beiträge wirken Artikel oder Beiträge schädlich, von denen der Leser annehmen muss, dass sie den Anspruch haben, enzyklopädisch zu sein, er sie aber als nicht-enzyklopädisch, weil mangelhaft einstuft.

[Bearbeiten] gegenüber Lemmata

Eine ähnliche „Zu viel zugleich“-Haltung findet sich auch bei der Erstellung der Lemmata. Über die leidige Inklusionisten-Deletionisten Debatte will ich mich hier nicht auslassen. In meinen Augen ist ein oft übersehenes Problem der Absicht, möglichst alle möglichen Lemmata inkludieren, alle Entitäten beschreiben zu wollen, dass dieses Ziel vor allem prinzipiell betrachtet wird und nicht auch pragmatisch, nicht die Folgen einer derartigen Praxis. Selbst wenn es ein Ziel der WP wäre, alle möglichen Lemmata zu generieren, folgt daraus noch nicht, dass dies Projekt - sofern es ein Projekt zur Erstellung einer Enzyklopädie ist - jetzt alle oder sehr viele Lemmata zulassen sollte. Hierzu einige Überlegungen:

Es gibt gute Gründe dafür, zentralen Lemmata besonders viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. In meinen Augen besteht die Möglichkeit und die Tendenz, dass die WP an den 'Rändern' quantitativ endlos wächst, gewissermaßen ausfranst und zugleich in der 'Mitte' in wichtigen Teilen weitgehend substanzlos bleibt. Die Entwicklung bei den Lesenswerten und bei den Exzellenten ist ein Indiz hierfür: Bad Kleinkirchheim ist Exzellent (was natürlich schön ist;-), Stadt aber nicht mal lesenswert; Super Mario ist exzellent, Computerspiel hingegen (Videospiel ist ein Redirect) nicht einmal lesenswert. Dies Verhältnis zeigt sich auch in anderen Bereichen.

Nicht zuletzt angesichts des MB über Fiktives ist noch ein weiteres Problem klar geworden. Bestehende und anlegbare Lemmata eines Typs T führen dazu, dass Benutzer, die diesen Typ T an Artikeln bearbeiten sich an der WP beteiligen. Ohne zu sehr Kulturpessimist sein zu wollen: Wenn bspw. jede fiktive Entität ein Lemma erhalten könnte, würde dies nicht nur bedeuten, dass wir tausende mindestens fragwürdiger Artikel über bspw. die neuesten Videospielcharaktere (der entsprechende en-Kategorienbaum Fictional Characters by medium war mit über 1000 Seiten zu lang, für eine WP- Seite) bekämen, sondern auch die entsprechenden Benutzer, die vorwiegend über Videospielcharaktere schreiben. Eine derartige Entwicklung kann in diesem und anderen MBs beobachtet werden; die langfristigen Folgen sollten nicht unterschätzt werden. Der Unterschied zwischen 'eine liberale Einstellung per se toll zu finden' und 'deren Folgen für gut befinden', wird von vielen m.E. nicht genügend reflektiert.

Darüber hinaus: Mehr Lemmata bedeutet zwingend mehr Arbeit, sei es in Löschdiskussionen, MBs, Beobachtung etc. Diese Aspekte (u.a.) werden ausgeblendet, wenn mit Verweis 'Wiki is not a paper' gesagt wird, „weil wir kein Platzproblem haben, können wir jedes Lemma aufnehmen.“


Dieser Benutzer ist bis auf weiteres inaktiv.
Es kann sein, dass dieser Benutzer Urlaub genommen, Ferien oder zur Zeit keinen Internet-Anschluss hat, oder aus anderen Gründen zur Zeit nicht aktiv ist. Dies ist kein Hinweis auf eine Verletzung irgendwelcher Wikipedia-Richtlinien. --Victor Eremita 16:30, 28. Jul 2006 (CEST)


(Haupt-)Autor von:

Kategorien , Akrasia , u.a.

hier noch einige Ideen zur Verbesserung der Wikipedia


[Bearbeiten] Fußnoten

  1. Auswahl kolportierter vermeintlicher Regeln: 'Wenn ein QS im Artikel ist, darf kein LA gestellt werden.' 'Erst QS anstatt eines LA (bei Relevanz stellen).' 'LA ungültig, weil Artikel über Zukünftiges auf die Artikelrampe gehört.' ...



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